Feierlichkeiten zu 100 Jahren AWO – „Erfahrung für die Zukunft“


Für die Feierlichkeiten der AWO zum einhundertjährigen Bestehen am 28.11.2019 wurden die 330 elegant gekleideten Gäste ab 16:30 Uhr in dem bereits weihnachtlich geschmückten MAN Bus Forum mit einem Glas Sekt empfangen. Geladen waren haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen, Kooperationspartner*innen und Ortsvereine der AWO Dachau.
Die Begrüßungsworte kamen von den beiden Vorsitzenden Wiebke Kappaun und Marina Braun, die immer wieder auf die Bühne traten, um durch den Abend zu führen. Für die musikalische Untermalung des Abends sorgte die Jazz- und Swing-Band Hot Club d’Allemagne aus Berlin.
Gleich zu Beginn des offiziellen Teils wurde auf zwei großen Leinwänden ein Film zur Geschichte der AWO, von ihrer Gründung 1919 durch die selbstbewusste und modern denkende Frauenrechtlerin, Sozialreformerin und Politikerin Marie Juchacz bis heute gezeigt. Für die bereits einhundert Jahre alten Ziele und Werte schlägt auch heute noch das rote Herz der AWO: Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Toleranz, Solidarität, Gleichberechtigung, Sozialstaatlichkeit, Demokratie, Respekt, Vielfalt, Fürsorge und Nächstenliebe. Es geht der AWO um echte „Hilfe aus einer Hand – gestern wie heute.“
Als erster Redner wurde Landrat Stefan Löwl (CSU) auf die Bühne gebeten, der betonte, dass die AWO ein wichtiger Partner für den Landkreis und die Bürger sei und mit all den anderen Wohlfahrtsverbänden stetig und engagiert daran arbeite, der Politik Handlungsbedarfe aufzuzeigen und dazu passende Lösungsmöglichkeiten vorzuschlagen und umzusetzen.
Es folgten der Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU) sowie Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD), die ihre Verbundenheit mit der AWO und ihren Werten zum Ausdruck brachten. Mederer betonte, dass der Umgang mit hilfsbedürftigen, benachteiligten Menschen gerade in der heutigen Zeit wahre Stärke zeige und Florian Hartmann erntete zustimmenden Zwischenapplaus, als er die Frage aufwarf, warum gerade in Deutschland – einem der reichsten Länder der Welt – die  Finanzierung von Frauenhäusern nicht ausreichend gesichert sei. Weiterhin betonte er, dass die AWO als bedeutender Partner der Stadt Dachau zählt und die Zusammenarbeit gewinnbringend verlaufe. Schließlich wünschte er der AWO alles Gute für die weitere Zukunft.
Maria Noichl (SPD), Mitglied des Europäischen Parlaments, betonte die maßgeblichen gesellschaftlichen Auswirkungen des Frauenwahlrechts in Deutschland, Europa und der Welt. Ohne das Frauenwahlrecht sei Demokratie nicht denkbar. Marie Juchacz, die Gründerin der AWO, sei dafür eine Wegbereiterin gewesen. Doch zum 100 Jahre alten Frauenwahlrecht gehöre nicht nur das Recht auf den Urnengang, sondern auch das Recht, sich privat und beruflich als Frau frei entfalten zu können. Die AWO habe in diesem „Ermächtigungsprozess“ einen wichtigen Beitrag geleistet und verliere dabei seit jeher auch all die anderen gesellschaftlich benachteiligten Gruppen nicht aus dem Auge. Es gehe um Selbstbestimmung und Solidarität für alle Menschen, und zwar in allen Lebensbereichen.  
Zwischen den einzelnen Programmpunkten sorgte immer wieder der Poetry-Slammer und Autor Alexander Burkhard für Denkanstöße. In seinen nachdenklichen Texten beschäftigte er sich – thematisch passend – unter anderem mit der jüdischen Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Carry Brachvogel und der fehlenden finanziellen und gesellschaftlichen Anerkennung für soziale Berufe. Er trug jedoch auch sehr lustige und unterhaltsame Texte aus seinem breiten Repertoire vor, wie zum Beispiel ein sog. spoken word Gedicht aus der Sicht des bayerischen Märchenkönigs Ludwig II.  
Im letzten Part des offiziellen Teils wurden an diesem Abend Oskar Krahmer und seine Mitstreiter*innen  Thea Zimmer, Helmuth Schuh und Dieter Moser mit allen Ehren und unter Standing Ovation aus dem Präsidium verabschiedet. In einem kurzen Film kamen er und seine Präsidiumsmitglieder nochmals ausführlich zu Wort. Sie betonten, dass die AWO „echtes Arbeiten am Menschen“ ermögliche und dort helfe, wo andere nicht hinlangen. Dabei stehe immer die Sache im Vordergrund, so dass in der Vergangenheit bereits wichtige Meilensteine, wie das Frauenhaus sowie der Integrations- und Waldkindergarten realisiert werden konnten. Für die Zukunft wünschte sich das ehemalige Präsidium, neben einer wachsenden Mitgliederzahl, mehr Hilfe für Obdachlose und bei Altersarmut und die liebevolle Weiterarbeit für die Anliegen der AWO.
Im Zuge der Verabschiedung des alten Präsidiums kam auch Nicole Schley, Präsidentin der AWO Oberbayern, zu Wort. Sie appellierte nochmals an die politisch Verantwortlichen, sich verstärkt für notleidende Frauen einzusetzen.
Persönliche Worte richteten schließlich die beiden Vorsitzenden der AWO Dachau, Wiebke Kappaun und Marina Braun, an das scheidende Präsidium. Den Abschluss der Verabschiedung bildete ein Gedicht, vorgetragen von langjährigen Mitarbeiterinnen der AWO Dachau.
Mit einer symbolischen Stabsübergabe wurde dann das neue Präsidium installiert. Es besteht aus dem Dachauer SPD-Vorstand und Juristen Sören Schneider, der stellvertretenden pädagogischen Leiterin der VHS Dachau Anita Engelbrecht, der Bereichsleiterin für Personal und Recht der AWO Oberbayern Nadin Canli , der Gymnasiallehrerin Kerstin Kube sowie dem Dachauer Kinderarzt Dr. Ramon Rümler.
Seinen würdigen Ausklang fand der perfekt organisierte Abend schließlich bei netten Gesprächen und dem ein oder anderen Tänzchen.